2 ETFs bringen 40% Rendite! [Backtest]

Hohe Renditen durch Aktien-Anleihen-Kombination (ETFs)

Lesedauer: 10 Minuten

40% klingen atemberaubend, unrealistisch und was zu gut klingt, kann nicht wahr sein – nicht wahr? Und in bester Marketing-Manier lege ich gleich noch eines oben drauf: Es könnten auch 50% erwirtschaftet werden. Ich sage Dir auch gleich am Anfang wie das geht!

Ganz einfach: Der dreifach gehebelte NASDAQ-100-ETF mit dem Symbol TQQQ erwirtschaftet seit 2010 rund 51% pro Jahr:

In blau sehen wir den Chart des NASDAQ 100 und in rot die dreifach gehebelte Variante.

ABER: Während der maximale Einbruch des NASDAQ 100 bei rund 29% lag, waren es beim gehebelten ETF rund 70% – und ich gebe zu: Damit ist er eigentlich nicht brauchbar. Denn bei einem Platzen einer Tech-Blase wie vor 20 Jahren würde er wahrscheinlich 100% verlieren.

Wie wir aber das Risiko dieses dreifach gehebelten NASDAQ 100 für den tatsächlichen Gebrauch adjustieren und die Rendite weitgehend erhalten können, sehen wir uns in diesem Beitrag an.

Ein konservativer Ansatz: Aktien + Anleihen

Der Ansatz sowohl Aktien als auch als ausfallssichere US-Staatsanleihen zu halten, gilt seit Jahrzehnten als konservativer Investmentansatz. Je höher der Aktienanteil ist, desto spekulativer wird es. Bzw. je niedriger der Aktienanteil ist, desto konservativer ausgerichtet ist das Portfolio.

Der Rendite-Treiber, aber auch der Risiko-Treiber, sind hier die Aktien. Die Anleihen brachten in der Vergangenheit nur ein paar Prozente – und gelegentlich auch mehr als die offizielle Inflationsrate. Seit den Niedrigzinsen sind die Anleihenzinsen auch am Boden und seit der Pandemie praktisch nicht mehr vorhanden. Dennoch dürften die Anleihenkurse (nicht zu verwechseln mit den Anleihezinsen!) weiterhin eine interessante, negative Korrelation mit dem Aktienmarkt zeigen.

Für unsere Untersuchung nehmen wir den NASDAQ-100, also einen Index mit Growth-Aktien, die bei niedrigen Zinsen prinzipiell gut performen sollten. Wer Angst davor hat, dass die Zinsen steigen, sollte lieber zum S&P 500, zum DAX oder einen Value-ETF greifen.

S&P 500 und NASDAQ 100 als ETFs

Und auf der Anleihenseite nutzen wir einen ETF (mit dem Symbol TLT) auf die 20-jährigen US-Staatsanleihen. Diese langlaufenden Anleihen performen stärker als kürzer laufende – allerdings mit höherem Risiko bzw. Volatilität (v.a. weil sich Prognosen auf 20 Jahre noch schwieriger erstellen lassen als auf wenige Jahre).

In der Vergangenheit haben die Kurse der US-Staatsanleihen wie folgt performt:

US-Staatsanleihen als ETFs

Es zeigt sich dabei im folgenden Diagramm sehr schön, dass der NASDAQ 100 (ETF-Symbol: QQQ) und die langlaufenden US-Staatsanleihen (EFT-Symbol: TLT) negativ korrelieren: Wenn die Aktienkurse fallen, steigen häufig die Kurse der Staatsanleihen – und vice versa. Langfristig liefern allerdings beide einen Aufwärtstrend – wobei der 80%-ige Crash des NASDAQs nach der Jahrtausendwende schon heftig war.

Hier der NASDAQ 100 und die 20+ -jährigen US-Staatsanleihen in einem Chart:

NASDAQ 100 und langlaufende US-Staatsanleihen in einem Chart: ETF TLT und QQQ

In den grünen Kreisen sieht man, dass sich die beiden Assets bei kurzfristigen Volatilitäten in unterschiedliche Richtungen bewegen.

Da beide einen langfristigen Aufwärtstrend haben und das eine Asset bei einer kurzfristigen Schwächephase des anderen outperformt, liegt der Gedanke nahe, beide in einem Portfolio zu kombinieren: Dadurch sollte der Aufwärtstrend erhalten bleiben, während die Schwankungen abnehmen.

Wir haben mit dem NASDAQ-Aktienindex und den langlaufenden US-Staatsanleihen die eher aggressiveren Varianten von Aktien-Indezes und US-Staatsanleihen gewählt. Auch bei der Portfolio-Erstellung wählen wir gleich eine aggressivere Variante: 2/3 Aktien und 1/3 Anleihen. Die Aktien, die prinzipiell stärker als Anleihen performen sollten, gewichten wir also über. Nichtsdestotrotz ist der Ansatz, Aktien und US-Staatsanleihen (mit die sichersten der Welt!) gemeinsam auszubalancieren, ein sehr konservativer. Das heißt wir nutzen den aggressiven Flavour eines konservativen Approaches.

Unser Portfolio aus dem NASDAQ 100 und den 20+-jährigen US-Staatsanleihen

Wie hätte so ein Portfolio aus 2/3 NASDAQ-100-ETF und 1/3 langlaufenden Staatsanleihen performt? Hierzu führe ich einen ETF-Backtest auf dem Tool Portfolio123 durch und erhalte folgende Ergebnisse:

Portfolio aus dem NASDAQ-100 und den 20-jährigen US-Staatsanleihen. Umgesetzt mit den ETF-Symbolen QQQ und TLT.

In blau siehst Du den Benchmark – den NASDAQ 100 – und in rot unser Portfolio.

Die jährliche Rendite betrug seit Anfang 1999 rund 9% (genau: 9.45%, inkl. Dividenden). Dabei hatten die Staatsanleihen einen dämpfende Effekt bei den größeren Aktienkurs-Einbrüchen: Sowohl nach dem Tech-Hype um die Jahrtausendwende, beim Finanzcrash 2009 und beim Pandemiebeginn in 2020.

D.h. unser Portfolio hat eine vergleichbare Rendite wie der NASDAQ 100 selbst, aber mit weniger Schwankungen. Nice!

Lässt sich das trotzdem noch verbessern?

Hier ein ganz entschiedenes Jein! Wir können die Rendite (aber auch das Risiko) hebeln, indem wir Leveraged-ETFs nutzen. Diese gibt es in einer 2fach- und 3fach-Variante sowohl für den NASDAQ 100 als auch für die 20+-jährigen US-Staatsanleihen. Nutzen wir also die 3fach-Variante mit den ETF-Symbolen TQQQ und TMF. Leider gibt es den gehebelten NASDAQ-100-ETF erst seit Anfang 2010 – dies ist vor allem deshalb schade, da wir im Backtest nicht sehen können, ob er als gehebelte Variante den Einbruch in 2000-2002 und in 2009 überlebt hätte (im Zweifel eher nicht).

Führen wir also einen Backtest ab 2010 mit den gehebelten ETFs TQQQ und TMF durch:

Chart: Die Kombination von Leveraged-ETFs - bestehend aus einem Aktien-Index und US-Staatsanleihen - bringt sehr hohe Renditen (über 40% pro Jahr).

Und hier zeigt sich der ganze Wahnsinn: Seit 2010 hätte unser Portfolio durchschnittlich um 46% pro Jahr zugelegt!

Champagner nach erfolgreichem Anlageerfolg (Backtest)

Bevor Du nun Deine ganzen Ersparnisse investierst, sei Dir gesagt sein: Das Risiko ist trotz dem Anleihenanteil immer noch enorm – wegen des dreifachen Hebels auf den NASDAQ 100 . Ein starker Rückgang bzw. mehrere starke Schwankungen des NASDAQ 100 könnten den ETF komplett auslöschen (und damit 2/3 Deines Kapitals). Zur Risiko-Begrenzung sage ich später noch mehr, aber zuerst sehen wir noch die jährlichen Renditen unseren Portfolios an:

Die jährlichen Renditen unserer Aktien/Anleihen-Strategie bzw. ETF-Strategie

Nur im Jahr 2018 und bislang in 2021 hat unser Portfolio gegenüber dem NASDAQ 100 (unser Benchmark) zurückgelegen. In allen anderen Jahren hat er eine starke Überrendite gezeigt (“Excess”). D.h. Rücksetzer wurden bis zum Jahresende immer wieder aufgeholt und der NASDAQ-100 überholt. Auch das kommt durch die negative Korrelation der beiden ETFs zustande: Wenn das eine Asset einen Rückgang hat, wird auf Kosten des anderen nachgekauft.

Hinweise zur Umsetzung

Der oben durchgeführte Backtest wurde wöchentlich rebalanced, d.h. jeden Montag wurden die ETFs TQQQ und TMF wieder in die 2/3- bzw. 1/3-Balance gebracht. Dies erzeugt nicht nur Aufwand, sondern auch Transaktionskosten. Sehen wir uns daher noch den Backtest an, wenn wir nur einmal pro Quartal ein Rebalancing durchgeführt hätten:

Das quartalsweise aktualisierte Portfolio zeigt immer noch ein extrem starke Rendite von 43% an.

Die Rendite bleibt mit ca. 43% pro Jahr außerordentlich stabil. Wenn Du in diese Strategie investieren willst, musst Du also nicht wöchentlich in Dein Portfolio sehen und “aufräumen”, sondern es reicht alle paar Wochen oder Monate. Es bietet sich vor allem dann an, wenn es viele Schwankungen an den Aktienmärkten gibt – dann kann ein häufigeres Rebalancing hilfreich sein.

Noch ein Hinweis zur Umsetzung: Ich habe beim Backtest angegeben, dass ein Rebalancing nur durchgeführt wird, wenn eine Position um mehr als 10% von ihrer Sollgröße abweicht. D.h. nicht jede kleine Schwankung in der 1/3-zu-2/3-Balance muss ausgeglichen werden.

Und wie lässt sich nun das Risiko in den Griff bekommen?

Um das Risiko zu reduzieren, können wir ganz klassisch den NASDAQ-100-ETF verkaufen, wenn er eine starke Korrektur hat. Z.B. wenn er unter den gleitenden 200-Tagesdurchschnitt fällt – oder noch einfacher, solange der (ungehebelte) Index einen 10%-Rücksetzer hat. Auch dies lässt sich bei Portfolio123 simulieren:

Durch die Sicherheitsmaßnahme beim gehebelten NASDAQ-100-ETF sinkt zwar die Rendite, aber auch das Risiko.

In diesem Fall schwankt das Portfolio stärker und fällt die Rendite spürbar auf ca. 28%, welche aber immer noch erstaunlich ist. Das wöchentliche Rebalancing wird aber wieder wichtiger und damit auch das ständige Beobachten der Aktienmärkte. Dafür wird nun der TQQQ-ETF bei einem Rückgang von ca. 30% (da dreifach gehebelt) verkauft, um die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Totalausfalls zu reduzieren. Das widerspricht aber dem Ansatz das billigere Asset auf Kosten des anderen nachzukaufen – und erklärt damit den Renditerückgang.

Ein anderer Ansatz ist – statt dem dreifach gehebelten – den zweifach gehebelten NASDAQ-100-ETF zu nutzen (Symbol: QLD):

Die Strategie mit zweifach gehebelten NASDAQ-100-ETF.

Die Renditekurve sieht deutlich smoother aus und erfordert kein ständiges Rebalancing. Der zweifach gehebelte ETF hält deutlich tiefere Crashs als der dreifach gehebelte ETF aus. Dadurch ist das Portfolio etwas sicherer.

Denkbar wäre als dritte Option auch standardmäßig mit einem dreifach gehebelten ETF zu arbeiten. Und bei einer 10%-Korrektur auf den zweifach gehebelten ETF zu wechseln – bzw. auf den Standard-ETF, wenn der Rückgang 20% beträgt. Das erfordert etwas Mehrarbeit und in einer heißen Phase echtes Trading. Aber diese Strategie würde das Optimum an Rendite und Risiko herausholen.

In jedem Fall führt die Kombination mit den US-Staatsanleihen dazu, dass die Schwankungen und das Risiko des Portfolios deutlich abnimmt, während die Rendite nur etwas “geschwächt” wird.

Fazit

Was haben wir nun eigentlich gemacht?

  1. Wir haben durch die Kombination von Aktien und Anleihen das Risiko und die Volatilität eines reinen Aktienportfolios gesenkt.
  2. Dann haben wir ein Leveraging durchgeführt: Wir profitieren von der niedrigen Volatilität in dem wir hebeln um unsere Rendite zu erhöhen.
  3. Weitere Maßnahmen sind möglich um das in Punkt 2 wieder erhöhte Risiko zu senken (die Maßnahmen waren aber seit 2010 nicht unbedingt notwendig).

Im Endeffekt hätten wir eine unglaubliche Rendite von 40% bei überschaubaren Risiko gehabt. Ob dies auch in Zukunft so weitergeht lässt sich – wie üblich- nicht vorhersagen. Prinzipiell sollte es uns aber Mut geben, dass wir mit der Aktien-Anleihen-Kombination einen jahrzehntealten, bewährten Ansatz nutzen. Und auch weil wir das Leveraging nicht übertreiben: Wir senken zum einen ja aktiv das Risiko in Punkt 1 und 3 und zum anderen haben die Leveraged-ETFs im Gegensatz zu vielen anderen gehebelten Investitionsprodukten keinen “Knock-Out” und können sich auch von stärkeren Rückgängen zumindest theoretisch wieder erholen.

Beide Produkte, TQQQ und TMF, gibt es leider nicht bei vielen deutschen Brokern. Ich selbst halte diese beiden ETFs deshalb bei eToro, auch wenn ich eigentlich lieber andere Broker mag.

Da wir hier mit gehebelten Produkten arbeiten und man damit schnell sein Portfolio ruinieren kann, möchte ich noch drei Hinweise geben:

  1. Meine Blog-Posts sind keine Anlageberatung.
  2. Setze nicht Dein ganzes Kapital auf diese Strategie. Wenn Du z.B. 5% Deines Vermögens in TQQQ + TMF investierst, kannst Du Dir einen potentiellen Renditetreiber ins Portfolio holen und dennoch bei einem Versagen der Strategie weiterhin gut schlafen.
  3. Backtests, insbesondere wenn sie veröffentlicht werden, haben leider die Tendenz in Zukunft nicht mehr zu funktionieren. Ich habe diese Strategie der Kombination von Aktien und Anleihen veröffentlicht, weil sie eigentlich uralt ist und sich schon sehr viel länger beweisen konnte als im Backtest ersichtlich ist. Neu ist hier das Leveraging, dass die reduzierte Volatilität zur Rendite-Optimierung nutzt und dem Fokus auf Growth-Aktien (NASDAQ) statt der breiteren Streuung (z.B. S&P 500). Wenn sich das Umfeld ändert, z.B. weil die Zinsen steigen oder dies erwartet wird, wird die Strategie voraussichtlich schlechter performen bzw. setzt man besser nicht auf den NASDAQ. Dies konnte ich von 1999 – 2010 leider nur mit dem ungehebelten NASDAQ-100 (ETF-Symbol: QQQ) testen – in diesem Zeitraum war das Zinsumfeld noch ein anderes:
Die ungehebelte Aktien-Anleihen-Strategie im Zeitraum von 1999 - 2010

Überzeugt Dich die Strategie? Oder ist sie für Dich zu spekulativ oder gar an den Haaren herbeigezogen? Lass’ es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Frohes Investieren!
Sebastian

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